Polizeiliche Kriminalstatistik 2019 Straftatenaufkommen im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariats Bad Pyrmont und der Polizeistation Aerzen.

Im Jahr 2019 hat sich das Straftatenaufkommen im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariat Bad Pyrmont dem Landestrend entsprechend entwickelt. In Bad Pyrmont und Aerzen sind insgesamt 1373 Straftaten verzeichnet worden, was einen Rückgang von 167 Taten gegenüber dem Vorjahr entspricht. Allerdings konnte die Aufklärungsquote mit ca. 72 Prozent stabil zum Vorjahr gehalten werden. Hiermit liegt das Polizeikommissariat schon bald turnusmäßig über dem Landesergebnis, welches bei ca. 63,5 Prozent liegt. Vorab kann schon mal gesagt werden, dass es in 2019 keine herausragenden Straftaten-Serien einzelner Personen gegeben hat, wie es in den Vorjahren häufiger weise der Fall war. Allerdings ist auch in Bad Pyrmont eine Zunahme der Kinder- und Jugendkriminalität in 2019 zu beobachten gewesen. Von den knapp 1.000 aufgeklärten Straftaten wurden 216 Taten Personen unter 21 Jahren zugeordnet. Hiervon sind 60 Taten von Kindern unter 14 Jahren, 80 Taten von 14- bis 17-jährigen Jugendlichen und 76 Taten von 18-21-jährigen Heranwachsenden begangen worden. Dies entspricht immerhin einem Anteil von ca. 22 Prozent bei den aufgeklärten Taten. Der überwiegende Teil der von dieser Personengruppe begangenen Delikte liegt im Bereich der Sachbeschädigungen und Diebstähle. Hier ist zum Beispiel auch der Brand des Schulnebengebäudes in der Silvesternacht dieser Gruppe anzulasten.

 

Die Anzahl der Sachbeschädigungen im Zuständigkeitsbereich ist dabei im vergangenen Jahr mit 190 Taten auf relativ hohem Niveau geblieben, während der Diebstahlsbereich deutlich um 17,5 Prozent auf 349 Taten zurückgegangen ist. Hier spielt zum Beispiel der Wohnungseinbruchsdiebstahl in Bad Pyrmont aufgrund der fehlenden Nähe zu einer Autobahn oder großen Bundesstraßen keine Rolle. Erfreulich ist, dass vor allem der Bereich des Fahrraddiebstahls im letzten Jahr um 23 Taten auf 38 Diebstähle zurückgegangen ist. Von diesen Fahrraddiebstählen konnte knapp die Hälfte aufgeklärt und die Fahrräder ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückgegeben werden. Allerdings war Bad Pyrmont im letzten Jahr von dem Phänomen des Taschendiebstahls deutlicher betroffen als in den letzten Jahren. Die Anzahl stieg dabei von 4 auf 16 Taten. Umfangreiche Ermittlungen ergaben hierbei, dass Bad Pyrmont mit in die Diebstahlsserie von zwei unabhängig voneinander agierenden Tätern fiel, die in ganz Norddeutschland und auch im angrenzenden Nordrhein-Westfalen ihr Unwesen getrieben haben. Beide Täter agierten in ihren Handlungsweisen ähnlich, indem sie in Selbstbedienungsmärkten vornehmlich ältere Menschen beobachteten und in einem günstigen Moment deren Geldbörsen aus Handtaschen und Einkaufswagen entwendeten und innerhalb weniger Minuten den nächstgelegenen Geldautomaten aufsuchten, um hier Abhebungen durchzuführen. Der Schaden allein in Bad Pyrmont ging hierbei in einen fünfstelligen Bereich. Überwachungsvideos aus den Einkaufsmärkten und Banken halfen hier bei der Ermittlung der aus Osteuropa stammenden Täter, wobei einer mittlerweile in Haft sitzt und gegen den zweiten ein Sammelverfahren in Nordrhein-Westfalen geführt wird. Positiv ist auch zu vermerken, dass die Anzahl der Rohheitsdelikte, wie Körperverletzung oder Raubtaten, ebenfalls um 14 Prozent auf 236 Taten gesunken ist.

 

Neben einem kleineren Straßenraub war hier im Dezember 2019 der bewaffnete Raubüberfall auf eine Spielothek im Innenstadtgebiet die Aufsehen erregendste Tat. Hier hat ein maskierter männlicher Täter in den Abendstunden des Nikolaustages von der Spielhallenaufsicht unter Vorhalt einer Schusswaffe etwa 480 Euro erpresst und ist dann zu Fuß geflüchtet. Bei der sofort eingeleiteten Fahndung konnten die eingesetzten Beamten zwar den flüchtigen Täter nicht fassen, konnten aber in der Nähe des Tatortes Teile der Tatkleidung auffinden und sicherstellen. Durch die Auswertung der Videoaufzeichnung in der Spielothek ergab sich dann der Tatverdacht gegen einen 57-jährigen Bad Pyrmonter, der immer mal wieder wegen kleinerer Delikte in den Konflikt mit der Polizei gekommen war. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung konnte dann die vermeintliche Tatwaffe, die sich als sehr echt aussehender Spielzeugrevolver herausstellte, beschlagnahmt werden. Im Rahmen einer erkennungsdienstlichen Behandlung ist von dem Tatverdächtigen auch eine Mundspeichelprobe zum DNA-Abgleich mit der aufgefundenen Maskierung entnommen worden. Hier liegt mittlerweile ein übereinstimmender Treffer aus der DNA-Untersuchung vor und gegen den Beschuldigten ist inzwischen von Seiten der Staatsanwaltschaft Anklage erhoben worden. Einen deutlichen Rückgang um ca. 30 Prozent ist im Bereich der Vermögens- und Betrugsdelikte zu verzeichnen, was aber unter anderem mit angepassten Auswertungsmodalitäten zu erklären ist. So wird zum Beispiel bei einem klassischen Warenbetrug die Tat dort gezählt, wo der Tatverdächtige wohnt, der zum Beispiel die Ware nach Bestellung und Bezahlung nicht versandt hat und nicht dort, wo der Betrogene seinen Wohnsitz hat. Dennoch sind für den hiesigen Zuständigkeitsbereich auch in diesem Deliktsfeld immer noch etwas mehr als 200 Taten erfasst worden, also etwa jeden Werktag findet in Bad Pyrmont eine Art Betrug, meist im Zusammenhang mit Nutzung des Internethandels und des Onlinebanking statt. In dem Bereich der Straftaten gegen das Leben hat es in Bad Pyrmont im letzten Jahr keinen einzigen Fall dieses schweren Delikts gegeben.

 

Auch im Bereich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist es in Bad Pyrmont und Aerzen zu keiner schweren Straftat gekommen. Insgesamt sind in diesem Deliktsbereich 19 Verfahren geführt worden, die fast alle dem Bereich der sexuellen Belästigung oder dem Verbreiten pornographischer Schriften zuzuordnen sind. Hier ist es leider so, dass ein nicht unerheblicher Teil auch im Bereich des Schulkontextes zu sehen ist. Immer häufiger ist zu beobachten, dass Kinder und Jugendliche über Gruppen in den elektronischen Medien, wie WhatsApp, unbedacht Videos und Fotos verbreiten, ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass es sich dabei um eine Straftat handelt. Hier steht die Polizei Bad Pyrmont und Aerzen im ständigen Kontakt und Austausch mit den Schulen, um vor allem im Bereich der Prävention die Kinder und Jugendlichen, aber auch deren Eltern, für dieses Problem zu sensibilisieren. Abschließend muss leider noch ein Deliktsbereich angesprochen werden, der der Polizei im Allgemeinen große Sorgen bereitet und von dem auch die örtlichen Beamten und Beamtinnen betroffen sind. Hierbei handelt es sich um die Gewalt gegen Polizeibeamte und -beamtinnen. Allein in unserem Zuständigkeitsbereich sind Kollegen im letzten Jahr 49 Mal Opfer von Angriffen auf ihre Person geworden, was einen Anstieg um 11 Taten gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Also etwa einmal pro Woche müssen sich örtliche Beamte Angriffen gegen ihre Person erwehren. Hat dabei im Jahr 2018 noch ein hiesiger Beamter einen Handbruch erlitten, so ist zum Glück im vergangenen Jahr keiner der betroffenen Beamten und -beamtinnen schwer verletzt worden.

 

Foto: oh/Polizeikommissariat Bad Pyrmont

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