Die Raine entlang der Feldwege und Ackerränder sind vielerorts die letzten belebenden und gliedernden Elemente in einer ansonsten intensiv genutzten Agrarlandschaft. Insbesondere für Insekten, Vögel, Kleinsäuger und Niederwild sind es wichtige Lebensräume und zudem Nahrungsquelle, Rückzugsraum sowie Brut- oder Nistplatz.

Viele Tiere der Feldflur finden hier Schutz und Deckung. Gerade in den Sommermonaten sind die blühenden Säume aus Kräutern und Gräsern das einzige, weitgehend ungestörte Strukturelement, in denen sich zahlreiche Tiere aufhalten.

„Ungemähte Feldraine bieten zudem Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten. Auch für die Biotopvernetzung sind die Feld- und Wegraine von hoher Bedeutung. Sie stellen Verbindungen zwischen unterschiedlichen Lebensräumen dar, z. B. zwischen Wald, Hecken, Feldgehölzen oder Brachen und bieten so Wanderkorridore für Tiere und Pflanzen“, erklärt Harald Baumgarten, Leiter der unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Hameln-Pyrmont.
In den letzten Jahren hat sowohl die Anzahl als auch die Breite, die Länge und vor allem auch die ökologische Qualität dieser bedeutenden Landschaftselemente abgenommen. Zu häufiges, oft auch zu frühes Mähen in Form einer Mulchmahd bewirkt, dass viele Pflanzen nicht mehr aussamen können. Lichtbedürftige Pflanzen können unter der Mulchdecke, also unter dem gemähten Gras, nicht gedeihen. Ein Teil der in den Feldrainen vorhandenen Insekten überlebt eine solche Mahd nicht.

Durch eine zu späte Mahd gehen wiederum Überwinterungsmöglichkeiten für die Insekten verloren. Der Eintrag von Düngemitteln bewirkt zusätzlich eine Förderung der wenigen, nährstoffliebenden Allerweltsarten, wodurch die Artenvielfalt abnimmt. Demzufolge werden vor allem Landwirte, Feldmarkinteressenschaften und Kommunen gebeten, die Feldraine und Wegränder möglichst spät im Jahr unter Berücksichtigung des Schutzes von Insekten zu pflegen. „Bitte nur einmalig, etwa im September/Oktober die Wegränder und Feldraine mähen. Dabei sollten die Wegränder nicht gleichzeitig mit den umliegenden Acker- und Grünlandflächen gemäht werden, damit weiterhin wichtige Rückzugsräume und Nahrungsquellen bestehen bleiben“, so Baumgarten. Die Wegränder sollten zudem nicht gleichzeitig auf beiden Seiten, sondern in einem Abstand von ca. 3 Wochen, gemäht werden. Abschnittsweises Arbeiten empfiehlt sich besonders bei längeren Strecken. Balken- oder Kreiselmäher ohne Aufbereiter sind deutlich schonender für Insekten und daher einem Schlegelmäher vorzuziehen.

Zudem verhindert eine Schnitthöhe von 10 – 15 cm und ein geringes Mahdtempo, dass Insekten und Kleintiere geschreddert werden. Das Mahdgut sollte frühestens nach einer dreitägigen Anwelkzeit, spätestens jedoch nach einer Woche abgeräumt werden. Durch das Abräumen des Mahdgutes können sich Blühpflanzen versamen und gleichzeitig werden der Fläche Nährstoffe entzogen.
Für konkrete Fragen zur Pflege von Wegrändern und Feldrainen ist die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Hameln-Pyrmont per E-Mail unter       naturschutz@hameln-pyrmont.de erreichbar.

Foto: oh/adobe stock

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