Stadt kämpft gegen den Leerstand: Programm „Hameln handelt!“ startet

Die Stadt startet jetzt offiziell ihre Leerstandsoffensive „Hameln handelt!“. Wer einen Laden in der Innenstadt eröffnen möchte und eine spannende Geschäftsidee hat, kann ab sofort von einem neuen Förderprogramm profitieren. Dabei übernimmt die Stadt für die ersten zwölf Monate die komplette Kaltmiete – bis zu einer Höhe von 5.000 Euro monatlich. Außerdem winkt ein einmaliger Zuschuss für den Ladenbau. Die Stadt sieht sich damit landesweit als Vorreiter.
Anke und Cord Wehrmann vermieten ein Ladenlokal in der Emmernstraße. Seit mehr als einem Jahr steht es leer, nachdem der Mieter, ein Reisebüro, Insolvenz anmelden musste. „Sehr dankbar“ habe sie die Initiative der Stadt aufgenommen, erzählt Anke Wehrmann. Und sofort zum Hörer gegriffen, um Kontakt mit der Wirtschaftsförderung aufzunehmen. Ihr Ladenlokal ist das erste, in dem die Stadt mit neu gestalteten Plakaten für ihre Aktion wirbt. Oberbürgermeister Claudio Griese war selbst in die Emmernstraße gekommen, um die Plakate an die Schaufensterscheiben zu kleben.
Schon vor dem offiziellen Start von „Hameln handelt!“ sind bei der Stadt mehr als 30 Anfragen von Gewerbetreibenden eingegangen. Sie alle können sich vorstellen, einen Laden in der Innenstadt zu eröffnen – und sie bringen teilweise interessante, neue Konzepte mit. Auf der anderen Seite liegt eine lange Liste mit Leerständen auf den Schreibtischen im Rathaus. „Aufgabe der Wirtschaftsförderung ist es nun, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen“, sagt Griese.

Einfach wird das nicht, das ist auch dem Rathauschef klar. Denn nicht immer seien Ladengröße, Zustand des Ladenlokals und Miethöhe passend für einen neuen Nutzer. Und: Nicht jeder erhalte die erhoffte Förderung. Gewünscht seien Geschäftsmodelle, „die es im Idealfall so in Hameln noch nicht gibt, die ein Alleinstellungsmerkmal haben und damit die Innenstadt attraktiver machen“, beschreibt Griese die Anforderungen. Auch höherwertige Angebote aus den Bereichen Gastronomie und Dienstleistungen sowie Manufakturen kämen für eine Förderung in Betracht.
Der Stadt gehe es bei ihrer Aktion nicht allein darum, die Zahl der Leerstände zu reduzieren. Genauso wichtig ist es nach den Worten des Oberbürgermeisters, den so genannten Trading-Down-Effekt aufzuhalten: Immer mehr Nagelstudios, Ein-Euro-Shops oder Handyläden in exponierter Lage seien ein Problem, unter dem auch das Umfeld leide. „Und am Ende zieht es die gesamte Einkaufsstadt Hameln herunter“, befürchtet der OB.

Letztlich sei der Kampf gegen Leerstände und den Trading-Down-Effekt eine Überlebensfrage. Griese: „Hameln hat als Einkaufs- und Touristenstadt nur eine Zukunft, wenn es unverwechselbare, individuelle Angebote gibt. Nur dann können wir Kunden aus unserem großen Einzugsgebiet ansprechen und dauerhaft für unsere Stadt gewinnen.“ Dem vereinzelt erhobenen Vorwurf, die Stadt benachteilige mit ihrer Förderung bestehende Händler, hält der OB entgegen, dass alle von einem verringerten Leerstand und einem höherwertigen Angebot profitieren – „denn wir können damit mehr potentielle Kunden für die gesamte Innenstadt ansprechen“.
In das Programm investiert die Stadt allein in diesem Jahr 400.000 Euro, weitere 400.000 Euro sind für 2022 vorgesehen, ein Betrag in Höhe von 200.000 Euro steht für 2023 bereit. Ursprünglich hatte die Verwaltung darauf gesetzt, Fördermittel zu erhalten – was laut Griese „leider nicht klappen wird“. Der Rat hat nun mit großer Mehrheit entschieden, dass das Programm auch ohne Fördergelder umgesetzt werden soll. Die Verwaltung werde dennoch weiterhin jede Möglichkeit nutzen, Zuschüsse zu erhalten, versichert der Rathauschef.

Was Interessierte tun müssen

Interessierte finden auf der Internetseitewww.hameln.de/hamelnhandeltnähere Informationen und einen Antragsvordruck. Für die Beantragung einer Förderung wird u. a. ein vollständiger und schlüssiger Businessplan mit einer ausführlichen Beschreibung sowie einer Kapitalbedarfs-, Finanzierungs-, Rentabilitäts- und Liquiditätsplanung benötigt. Bewerber, die in die engere Auswahl kommen, müssen ihre Geschäftsidee dem Team der Wirtschaftsförderung präsentieren. Fragen beantworten Scott Kohlberg und Claudia Skade, Telefon 05151/202-3230 und 05151/202-3228, E-Mailwirtschaftsfoerderung@hameln.de.

Fotos: oh/Stadt Hameln

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